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Acht Verweise · sieben zeigen ins Leere

Im Deutschen ist links eine Richtung, eine Gesinnung und der Faden, an dem alles hängt. Drei Bedeutungen, ein Wort, und alle drei handeln davon, dass etwas woandershin zeigt.

Ein Verweis ist ein Versprechen: dort drüben ist noch etwas. Die meisten Versprechen werden nicht gebrochen, sie werden nur nicht eingelöst, und irgendwann zeigt der Finger auf eine Stelle, an der nichts mehr steht. Das Zeigen selbst funktioniert weiter. Es funktioniert sogar besser als vorher, weil ihm niemand mehr widerspricht.

Was hier hängt, zeigt alles ins Leere. Bis auf eines. Es ist nicht hervorgehoben. Man findet es, indem man das Kleingedruckte liest statt das Große anzuklicken.

  1. 01 /plan07.htm Abgegriffenes Buch mit marmoriertem grün-braunem Deckel und hellem Lederrücken, auf dem Deckel ein verblasstes handschriftliches Wort. Es gab einen Plan 07. Was die Pläne 01 bis 06 waren, weiß niemand mehr, auch der nicht, der sie gemacht hat. Der Einband ist noch da und außen beschriftet; das genügt den meisten.
  2. 02 /meine_seite.htm Der ehrlichste Dateiname, den es gibt. Alle anderen Namen sind Werbung.
  3. 03 /forum/?id=soerenw Vier Beiträge. Drei davon vom Betreiber. Der vierte war eine Frage.
  4. 04 /cgi-bin/gaestebuch.pl?id=19635 Langer, stark verrosteter Eisenstab, an einem Ende zu einem Haken gebogen, am anderen ein kleiner Zacken. Ein Gästebuch. Neunzehntausendsechshundertfünfunddreißig andere hatten dasselbe Bedürfnis. Merkwürdig: es antwortet noch. Der Schlüssel hat länger gehalten als alles, was er einmal aufgesperrt hat.
  5. 05 /html/links.html Eine Linkliste, die auf eine Linkliste zeigte. Irgendwo ganz unten stand vermutlich etwas Echtes.
  6. 06 /index.html#Radikal Steinernes Spitzbogenportal mit verwittertem Maßwerk in einer verputzten Wand, darin eine geschlossene dunkle Holztür mit schmalen Kassetten. Ein sehr großer roter Verweis. Dahinter vierzig leere Zeilen. Er hat nie gelogen — er hat nur nichts gesagt. Am Aufwand des Rahmens erkennt man, wie wenig dahinter nötig war.
  7. 07 /gleich.html Die meistbesuchte Seite überhaupt. Sie lädt bis heute.
  8. 08 /über_mich.htm Schmiedeeisernes Schlossblech mit zinnenförmigem Rand und durchbrochenem Rankenwerk, auf ein Holzbrett montiert; in der Mitte ein Schlüsselloch, unten liegt der Riegel. 404. Wie bei allen. Das Schloss arbeitet einwandfrei und ist damit das einzige Teil an dieser Wand, das noch tut, wofür es gemacht wurde.

Ach wie gut das niemand weiss,
dass ich Rumpelheisschen stiess…

Zwei s statt ß, und die Pointe fehlt. Es ist der einzige Satz an dieser Wand, der nirgendwohin verweist — und der einzige, der noch vollständig da ist. Was nicht zeigt, kann nicht ins Leere zeigen.

Wer weit genug nach links geht, steht irgendwann im Gras. Zurück geht es nicht; die Wand hat keine Tür auf der Seite, aus der Sie gekommen sind. Wer stattdessen wissen will, warum überhaupt jemand acht Zettel an eine Wand hängt, fängt besser mit einer Frage an.