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Bald

Freude im Vorlauf · noch ungeöffnet

Fragen Sie jemanden nach dem schönsten Teil eines Urlaubs, und wenn er ehrlich ist, nennt er den Abend vorher. Der Koffer steht im Flur. Es ist alles noch möglich. Kein Regen hat stattgefunden, kein Streit am dritten Tag, keine Enttäuschung über ein Hotel, das auf dem Bild größer war.

Das ist keine Schwäche, das ist eine Rechenleistung. Vorfreude ist die einzige Freude, die vollständig unter Ihrer Kontrolle steht. Sie hängt an keinem Wetter, an keinem anderen Menschen und an keinem Ergebnis. Sie brauchen dafür nur eines: dass es noch nicht so weit ist.

Malerei auf hellem Grund: ein langschnäbliger Vogel mit braunem Kopf und hellblauem Bauch liegt auf einer grauen Fläche. Um ihn herum drei kleinere Vögel mit roten Gesichtern, zwei Pfirsiche, eine Birne, eine aufgeplatzte Feige und ein Zweig mit gelben Blättern.
Alles da, alles greifbar, nichts angeschnitten. Ein Zustand, den man erhalten kann, solange man die Hände oben lässt.

Wer das begriffen hat, wird das Ereignis mit größter Sorgfalt immer knapp vor sich her schieben, und zwar aus Liebe.

Eine schwarz lackierte Truhe mit gewölbtem Deckel, Messingnägeln entlang aller Kanten, einem eisernen Ringgriff an der Seite und einem Riegelbeschlag vorn. Deckel und Wände sind flächendeckend mit hellen eingelegten Figuren in Landschaften verziert.
Der kühle Raum als Möbel. Beschlagen, genagelt, verriegelt.

Der Fachbegriff dafür ist Vorfreude, der ehrlichere wäre Aufbewahrung. Man legt die Sache in einen kühlen Raum, damit sie hält. Manche Vorhaben liegen dort seit Jahrzehnten in bestem Zustand, unangeschnitten, makellos, mit dem einzigen Nachteil, dass sie nie gegessen wurden. Der Aufwand, den Menschen in solche Behälter stecken, verrät, wie ernst es ihnen mit dem Nichtöffnen ist.

Ob das nun ein Verlust ist oder ein gelungenes Leben, darüber lässt sich streiten, und genau dieses Wort, mit dem jede offene Frage anfängt, hat einen eigenen Raum. Wer nicht streiten will, nimmt stattdessen die Tür, die niemand kennt, und geht einfach irgendwohin, ohne vorher zu wissen, worauf er sich freut.

Von hier ab kommt das Essen. Es kommt die ganze Zeit. Scrollen Sie ruhig weiter, es hilft.

Kolorierte Radierung: zwei Männer in Perücken an einem Tisch. Der dicke Mann links stützt sich auf die Tischplatte und hält eine Gabel aufrecht, der magere rechts beugt sich mit gespanntem Gesicht heran. Auf dem Tisch liegen ein leerer Teller und ein Messer, daneben steht ein kleiner Kerzenhalter.
Der Teller ist leer und wird jeden Moment nicht gefüllt.