Es gibt genau ein Bild von ihm. Jemand hat es an einem Nachmittag gemacht, die Kamera zurückgegeben und ist gegangen. Darauf ein Hut mit breiter Krempe, ein Bart, der zwei Wochen alt ist, und ein Gesicht, das in die Linse sieht, als hätte es nichts vor. Er hat lange gebraucht, um zu benennen, was ihn daran stört, und dann war es einfach: Es stimmt.
Am Kiosk für Bühnenbedarf gibt es Farbfolie in Bögen, die man auf Scheinwerfer klemmt. Er hat drei mitgenommen, weil drei zusammen billiger waren als zwei einzeln. Steel Blue. Die erste Lage legte er nur auf, um zu sehen, was passiert. Es passierte, dass der Nachmittag aus dem Bild ging. Das Gesicht blieb, es war nur nicht mehr warm. Das war schon deutlich besser.
Die zweite Lage nahm die Augen. Nicht ganz — man sieht, dass dort Augen sind, man sieht nur nicht mehr, wohin sie schauen. Er klebte sie mit vier Streifen fest und stellte fest, dass die Streifen an den Rändern hochstehen. Also schnitt er aus grünem Karton zwei Dreiecke, die die Ecken halten. Die Dreiecke sind größer geworden, als sie mussten. Sie gehören jetzt dazu.
Die dritte Lage brauchte er nicht mehr für das Gesicht, das war erledigt. Er brauchte sie, weil zwei Lagen wie ein Versehen aussehen und drei wie eine Absicht. Seitdem ist der Hut eine Form, der Bart ein dunkler Fleck und die Krempe eine Linie, die irgendwo im Grün endet. Wer das Bild betrachtet, fragt nach dem Licht. Er antwortet über das Licht. Das Gespräch läuft, und niemand fragt, wer da unter den Folien steht.
Es hängt im Flur, zwischen Garderobe und Sicherungskasten, an einer Stelle, an der man vorbeigeht. An Abenden im Spätsommer, wenn die Stehlampe im Wohnzimmer an ist und die Tür offen steht, fällt das Licht flach von rechts. Dann kommt das Gesicht durch. Es dauert vielleicht zwanzig Minuten, dann ist die Sonne weg und es liegt wieder unter dem Blau.
Er hat das im Juni bemerkt und daraufhin überlegt, das Bild abzuhängen und in den Schrank zu stellen. Der Schrank ist voll, das hätte einen Nachmittag gekostet, und außerdem sähe man dann die Schraube in der Wand. Er hat stattdessen die Stehlampe versetzt. Sie steht jetzt zwei Handbreit weiter links, von dort trifft sie das obere Drittel und lässt den Rest in Ruhe. Auf dem Boden ist ein Abdruck geblieben, wo sie vorher stand, vier runde Stellen im Teppich, in denen die Fasern platt sind. Über die geht er hinweg. Es sind immer dieselben vier Stellen, und der Teppich richtet sich nicht wieder auf.