Auf den Bogen steht der Kopf achtundvierzigmal, sechs nebeneinander, acht untereinander. Gedruckt wird in einer einzigen Farbe, einem Grün, das im Farbkasten fast schwarz aussieht und auf dem Papier leuchtet. Später werden die Bogen geschnitten, dann ist jeder Kopf für sich, aber das ist nicht seine Abteilung.
Seine Abteilung ist die Kontrolle im Fortdruck. Alle fünfhundert Bogen zieht er einen aus dem Auslegestapel, legt ihn auf den Leuchttisch neben den Gutbogen und geht ihn mit dem Fadenzähler ab. Er prüft, ob die Farbe steht: ob das Grün an der linken Kante noch so dicht ist wie in der Mitte, ob die feinen Linien an der Schläfe zulaufen oder zuschmieren. Wenn etwas abweicht, dreht er an der Farbzone und schreibt die Uhrzeit auf.
Der Gutbogen ist der, den der Meister am Anfang der Auflage abgezeichnet hat: ein Bleistiftkreuz unten rechts, daneben in Blockschrift ein Wort. Er ist das Maß. Alles, was danach kommt, wird an ihm gemessen, und er selbst wird an nichts gemessen, denn wozu.
Gegen halb vier ist ihm der Gutbogen vom Tisch gerutscht. Der Luftzug der Maschine nimmt einen Bogen leicht mit; er hat es nicht gemerkt, weil er zu diesem Zeitpunkt eine Zone nachgestellt hat. Als er sich umdrehte, lag Papier auf dem Boden, und im Stapel daneben lagen zweitausend Bogen, die aussehen wie der, den er suchte.
Er hat sie nebeneinandergelegt, sieben Stück, unter den Leuchttisch, mit dem Fadenzähler von der Schläfe zum Kinn. Bei zweien war der Rand eine Spur satter. Er hat sie umsortiert und noch einmal verglichen, und beim zweiten Durchgang waren es andere zwei. Danach hat er es gelassen, denn eine Abweichung, die beim Hinsehen die Seite wechselt, ist keine.
Er hat einen Bogen aus der Mitte genommen — irgendeinen, nach Gefühl, wobei das Gefühl bei achtundvierzig gleichen Köpfen wenig zu tun hat. Bleistiftkreuz unten rechts, daneben in Blockschrift das Wort. Dann hat er den Bogen auf den Leuchttisch gelegt, wo der andere gelegen hat, und um vier wieder gezogen und geprüft, ob die Farbe steht.
Der alte Gutbogen liegt noch unter der Maschine. Man sieht ein Stück davon, wenn man sich bückt, und man würde ihn erkennen, das Kreuz ist ja drauf. Er hat sich nicht gebückt. Das Vergleichen läuft, und es läuft besser als vorher, weil das Maß jetzt frisch ist und keinen Daumenabdruck hat. Es gibt Verfahren, in denen erst der Ausfall des Maßstabs zeigt, dass alles daran hing, und es gibt Verfahren, in denen es niemandem auffällt.
Um sechs kommt die Frühschicht. Er legt den Gutbogen obenauf, mit dem Kreuz nach vorn, damit man ihn gleich sieht, wischt den Leuchttisch ab und schreibt ins Schichtbuch: Farbe steht, keine besonderen Vorkommnisse. Auf dem Weg zum Spind wirft er einen Zettel in den Kasten am Ausgang, auf dem seit Wochen dasselbe steht und auf den nie jemand geantwortet hat.