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Dienstag, 19 Uhr · Raum 4 · Aktzeichnen für Fortgeschrittene

Vier Ärsche

„Vier Ärsche"

Vier stehende Aktfiguren von hinten, in breiten Pinselstrichen gemalt; zwei von ihnen haben die Arme erhoben. Der Grund geht von Gelbgrün links über Türkis in tiefes Blau rechts über, die Umrisse der Körper sind hell abgesetzt, der Bildrand ist rosa.
„Vier Ärsche" · Acryl auf Papier, hinten mit Bleistift betitelt

Merz hatte einmal ein Gesicht gemalt, das der Auftraggeberin ähnlich sah, aber nicht so, wie sie es meinte. Sie zahlte, hängte es nicht auf und empfahl ihn nicht weiter. Danach fing er die Sache anders an.

Rötelzeichnung auf bräunlichem Papier: ein nackter junger Mann sitzt, das rechte Bein angezogen, die Arme darum gelegt, und blickt nach vorn; das Blatt hat abgeschrägte Ecken.
Hängt im Kursraum. Merz stellt die Staffelei so, dass er es im Rücken hat.

Er drehte das Modell um. Von hinten stimmte alles sofort: die Schulterlinie sagt, wie alt jemand ist, das Standbein sagt, wie es ihm geht, und der Rest ist Fläche, auf der man Farbe liegen lassen kann, ohne dass sich jemand beschwert. Kein Auge, das nicht sitzt. Kein Mund, der jemanden freundlicher macht, als er ist. Auch keine Hände, die er ohnehin nur zu Fäusten bekam; die Arme gehen bei ihm nach oben und aus dem Bild.

Von vorn stellt sich einer hin. Von hinten steht er einfach.

Den Satz sagte er im Kurs, dienstags, und die Teilnehmer schrieben ihn mit. Zwei von ihnen malten seither ebenfalls nur noch Rücken, was er nicht beabsichtigt hatte und mit Genugtuung zur Kenntnis nahm. Wenn jemand fragte, wie man denn nun ein Gesicht angeht, sagte er, das sei die falsche Frage, und die Frage nach der falschen Frage stellte niemand.

Der Schützenverein bestellte ein Bild vom Vorsitzenden. Merz stellte den Stuhl ans Fenster, ließ ihn Platz nehmen und drehte den Stuhl. Der Mann fragte zweimal nach, dann ließ er es. Das fertige Bild hängt im Vereinsheim neben der Tür, ein breiter Rücken vor gelbgrünem Grund, darunter ein Schild mit dem Namen, und die Leute finden, dass man ihn erkennt. Sie kommen aus dem Ort und sind sich von hinten weitgehend gleich, was Merz für ein Argument hält.

Im Atelier hängt ein Spiegel, den er zur Wand gedreht hat, weil das Licht darin Reflexe auf die nasse Farbe warf. So steht es jedenfalls in seiner Erklärung, und die Erklärung ist nicht falsch, das Licht tut das wirklich.

Am Dienstag darauf standen vier am Fenster, zwei mit erhobenen Armen, weil die Heizung nicht ansprang und sie sich warm hielten. Merz nahm Türkis aus der Tube, ohne es zu brechen, und arbeitete von links nach rechts ins Blaue. Der Titel stand hinten drauf, bevor die Farbe trocken war. Er beschriftet seine Bilder genau. Das ist die Stelle, an der er ehrlich ist.

Ende · Papier hochkant an die Wand gelehnt, Rückseite nach vorn

Leinwände im Regal: 9 · davon mit Gesicht: 1 · Rückseite beschriftet: alle