Eine Durchsage enthält selten eine Information. Sie enthält eine Zuständigkeit. Was übermittelt wird, ist nicht die Lage, sondern der Umstand, dass jemand ein Mikrofon hat und Sie nicht.
Erkennbar ist das an der Grammatik. In Durchsagen passiert nichts, sondern es kommt zu etwas. Es kommt zu Verzögerungen, es kommt zu Einschränkungen, es kommt zu einer geänderten Reihenfolge. Niemand hat etwas getan. Die Dinge sind einfach eingetreten, wie Wetter, und man bittet um Verständnis für das Wetter.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Wir bitten Sie, nicht nachzufragen.
Aus betrieblichen Gründen.
Aus Gründen, die Sie nichts angehen.
In Kürze.
Irgendwann.
Die Kunst besteht darin, so zu sprechen, dass jeder zuhört und niemand antworten kann. Deshalb sind Durchsagen leicht verzerrt: Ein vollkommen klarer Satz würde eine Erwiderung nahelegen. Ein leicht undeutlicher wird zweimal gehört, einmal verstanden und nie beantwortet. Der Rest ist Sache derer, die auf dem Bahnsteig stehen.
Zeitangaben sind darin das eigentliche Werk. Gleich ist keine Uhrzeit, sondern eine Beruhigung mit Zifferblatt; sie hält genau so lange, bis die nächste Durchsage sie ersetzt und dabei so tut, als sei sie die erste.
Was tatsächlich mitgeteilt wurde, merkt man erst später, wenn nichts mehr durchgesagt wird und man immer noch dort steht, wo man schon stand.