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Untergeschoss · unter der Schlosserei · zwei Bierkästen hoch

bassganze note, liegen lassen

„bass"

Digitale Grafik aus flachen, hart begrenzten Farbflächen: vor rotem Grund liegt eine große olivgrüne Ellipse, darunter zieht ein blaues Band quer durchs Bild, rechts steht eine gelbe Fläche; die Formen sind mit dünnen dunklen Linien umrandet, überlagern sich und wechseln in den Überschneidungen die Farbe.
bass

Der Verstärker steht seit sieben Jahren an derselben Stelle, links neben dem Heizungsrohr, auf zwei Bierkästen, damit er nicht auf dem Beton steht. Das mit den Bierkästen war Ronnys Idee und ist das Einzige, was in der Band nie diskutiert wurde.

Ronny spielt E. Das ist ungenau; er spielt auch A und G, wenn das Stück es verlangt, aber er spielt sie so, wie man E spielt: auf der Eins, ganze Note, die Hand bleibt auf dem Bund liegen, bis der Ton von allein aufhört. Der Gitarrist nennt das die Wand. Er meint es nicht als Lob.

Zweimal haben sie es versucht. Beim ersten Mal brachte der Schlagzeuger ein Blatt Papier mit, darauf eine Linie in Achteln, mit einer Verschiebung vor dem Refrain. Ronny sah es sich an, nickte lange, sagte, das sei interessant, und erklärte dann, warum es hier unten nicht geht. Der Keller hallt knapp zwei Sekunden. Tiefe Töne bleiben in den Ecken stehen. Wer hier Achtel spielt, produziert Brei. Er zeigte mit beiden Händen, wie sich der Brei aufbaut, von unten her. Es klang plausibel. Es ist auch plausibel. Es stimmt sogar.

Beim zweiten Mal probten sie oben im Gemeindesaal: Teppich, Vorhänge, keine Ecken, in denen etwas stehen könnte. Ronny spielte E. Hinterher sagte er, in einem so trockenen Raum trage der Bass gar nichts mehr, da müsse man die Töne erst recht stehen lassen, sonst falle der Boden weg. Das Blatt hat der Schlagzeuger nicht wieder mitgebracht.

Am Verstärker sitzen drei Regler nebeneinander. Ronny hat sie einmal eingestellt und danach nicht mehr angefasst; auf dem schwarzen Kunstleder sind rings um die Achsen drei helle Ringe, dorthin kommt kein Staub, weil dort auch keine Finger mehr hinkommen. Wenn jemand fragt, sagt er die Zahlen auswendig auf.

Was er kann, kann sonst keiner. Er trifft den Punkt, an dem der Ton im Brustbein sitzt und nicht mehr im Ohr. Beim Sommerfest hat eine Frau in der dritten Reihe ihr Glas vom Tisch genommen und in der Hand behalten, ohne zu wissen, warum. Das war er. Das war eine ganze Note.

Der Sänger ist inzwischen der dritte. Der neue ist einundzwanzig und hat gefragt, ob man das mit dem Bass nicht anders machen könne, so richtig laufend, wie auf den Aufnahmen, die er auf dem Telefon hat. Ronny hat sich das angehört, beide Hände auf den Knien, und dann erklärt, dass solche Aufnahmen im Studio entstehen, mit Absorbern an den Wänden, und dass das hier ein Keller ist. Der Sänger hat genickt. Er wusste nicht, was Absorber sind, und wollte nicht der sein, der fragt.

Am Ende der Probe zieht Ronny das Kabel, wickelt es über Ellbogen und Hand, acht Schlaufen, und legt es oben auf den Verstärker. Vorher greift er noch einmal E und lässt ihn stehen, bis er von allein aufhört. Oben in der Schlosserei klirrt etwas leise mit.