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Dauer

Balkenplan · Maßstab unbekannt

Dauer ist das, was übrig bleibt, wenn man die Uhr wegnimmt. Sie hat keine Einheit und keinen Nullpunkt, aber jeder erkennt sie sofort: Etwas zieht sich, oder es zieht sich nicht.

Auffällig ist das Missverhältnis. Die Vorbereitung dauert länger als die Sache, das Zögern länger als die Handlung, das Nachdenken über den Anruf um ein Vielfaches länger als der Anruf. Man kann das nachrechnen, und niemand tut es, weil das Ergebnis unangenehm ist.

VorgangLänge
Den Entschluss fassen0,4
Die Sache selbst2,0
Das Zögern davor31,5
Die Begründung danachläuft

Der letzte Balken hat kein Ende, weil eine Begründung nie fertig wird. Sie wird nur seltener vorgetragen.

Die nächsten drei Bilder sind auf dieselbe Balkenhöhe beschnitten. Man sieht ihnen die Dauer nicht an, weil Dauer nichts ist, was man sieht. Man sieht nur, was danach übrig war.

Aquarell: ein niedriger Mauerrest mit dunklem Torbogen steht zwischen dichten, überwachsenen Bäumen auf einer gelblichen Wiese, dahinter blassblaue Hügel.
Ein Gebäude, überwachsenlang
Graue Tuschzeichnung: mehrere fensterarme, teils eingestürzte Steinhäuser stehen an einem breiten Sandweg, rechts ein hoher Baum mit dünnem Laub.
Dieselbe Sache, weiter fortgeschrittenlänger
Dunkle Radierung: ein alter Mann mit hoher Pelzmütze und langem weißem Bart sitzt an einem Tisch und blickt auf eine Sanduhr, die er in der erhobenen Hand hält.
Jemand misst nach, statt aufzustehenläuft

Wer lange genug misst, merkt: Es geht gar nicht bergauf und nicht bergab, es ist ein Plateau, und Plateaus sind angenehm zu gehen und schwer zu verlassen. Was nach der ganzen Rechnerei übrig bleibt, ist ein Rest, und der Rest ist immer die Pause.