Neun Meter lang · fünf breit · eine Schwelle
Garten
Der Garten liegt hinter dem Haus, neun Meter lang, fünf breit, an drei Seiten von einer Mauer abgeschlossen, über die man sehen kann, wenn man will. Angelegt hat er ihn im ersten Frühjahr, an sechs Tagen. Seit dem sechsten Tag ist er nicht mehr darin gewesen.
Das hat einen Grund, und der Grund steht in jedem Buch. Ein Beet hat eine Krume, und eine Krume hat Luft. Wer darauftritt, drückt die Luft heraus. Danach steht das Wasser, und wo Wasser steht, faulen die feinen Wurzeln, die man nicht sieht und die alles machen. Ein Fußabdruck ist zwei Jahre lang zu sehen und vier Jahre lang zu spüren. Das ist keine Empfindsamkeit, das ist Bodenkunde.
Also arbeitet er von der Schwelle aus. Die Hacke trägt einen aufgeschraubten Besenstiel und reicht zwei Meter zehn. Für die hinteren Reihen gibt es eine zweite mit Rohrverlängerung, drei Meter vierzig, die man nur führen kann, wenn man den Griff unter die Achsel klemmt und in der Hüfte dreht. Die Greifzange stammt aus dem Baumarkt und war für Laub gedacht. Gegossen wird mit dem Schlauch, im Bogen, was schwieriger ist, als es klingt: Der Bogen darf nicht auf die Blätter fallen, sondern muss vor die Stängel, sonst gibt es Flecken und Schnecken. Gegossen wird abends, weil die Sonne nachmittags genau über der Mauer steht und wer von der Schwelle aus in diese Richtung sieht, danach ein blaues Nachbild über den Reihen hat und keine Reihe mehr trifft.
Gesät wird durch ein Rohr. Er hat es aus einer Gardinenstange gemacht, unten schräg abgeschnitten, damit das Korn nicht springt. Die Reihen werden dadurch nicht gerade. Sie werden ungefähr gerade, und das ist mehr, als die meisten Gärten von sich behaupten können. Was er nie gepflanzt hat, ist Rasen; Gras will betreten werden, sonst verfilzt es und schiebt sich in Polstern hoch.
Am besten sieht man den Garten aus dem Fenster im ersten Stock, weil man von dort die Reihen als Reihen erkennt und nicht als Gedränge. Er hat einen Stuhl hingestellt, einen Küchenstuhl, und morgens, bevor er zur Arbeit fährt, sitzt er zwölf oder fünfzehn Minuten da. In dieser Zeit lässt sich feststellen, ob etwas kippt, ob etwas gelb wird, ob etwas fehlt.
Im vierten Sommer riss ein Gewitter die Bohnenstange schräg, und sie legte sich über die Erbsen. Das ist der Fall, in dem alle Verlängerungen nichts nützen: Eine Stange, die schon liegt, muss angehoben und gehalten werden, während unten die Erde festgetreten wird. Er hatte die Schuhe schon an und stand in der Tür. Von dort aus war neben dem Rhabarber die flache Mulde zu sehen, an der Stelle, wo er am sechsten Tag zuletzt gestanden hatte; das Gras darin ist bis heute kürzer als daneben.
Er ging zurück in den Schuppen. In drei Stunden baute er aus zwei Latten, vier Schrauben und einem gebogenen Stück Bandeisen eine Gabel mit Griff, die man von der Schwelle aus unter eine Stange schieben und mit der man sie aufrichten kann, wenn man langsam ist. Um halb zwölf stand die Stange wieder. Die Erbsen haben es überstanden, bis auf vier.
Am nächsten Morgen war es hell um sechs. Die Stange stand, um zwei Grad nach Süden geneigt, wie immer. Die Reihen lagen, wie sie liegen sollen. Über die Beete ging eine Amsel, machte kurze Sprünge, drehte ein Blatt um und ließ überall dort, wo sie aufsetzte, kleine Abdrücke im Boden zurück. Sie kommt jeden Morgen. Dagegen ist nichts zu machen.
unten links eine blase im glas