Angemeldet für zwei Nächte · höchstens drei
Gast
Er kam für zwei Nächte, höchstens drei, und brachte Brot mit, ein gutes, aus einer Bäckerei, von der sie nicht gewusst hatte. Er zog die Schuhe aus, ohne dass jemand etwas sagen musste, und schlief im hinteren Zimmer, in dem die Matratze in der Mitte durchhängt und für das sie sich seit Jahren entschuldigt. Er entschuldigte sie nicht, er sagte, er habe gut geschlafen, und es klang nicht wie eine Höflichkeit.
Am zweiten Tag war der tropfende Hahn dicht. Er hatte eine Dichtung für drei Cent eingesetzt und es nicht erwähnt; sie merkte es abends an der Stille in der Küche. Er spülte, bevor sie sehen konnte, dass gespült werden musste. Er hatte sich gemerkt, wie sie den Kaffee nimmt: Milch, kein Zucker, Tasse nur halb voll, weil sie sie sonst stehen lässt und kalt trinkt. Abends spielte er Gitarre, leise, und hörte jedes Mal genau an der Stelle auf, an der es zu viel geworden wäre. Sie hätte nicht sagen können, woran er das merkte.
Den Beschluss fasste sie jeden Morgen beim Zähneputzen. Heute. Sie hatte drei Sätze, die sie geübt hatte und die alle im Spiegel funktionierten:
„Du, ich wollte fragen, wie du eigentlich weiterplanst." „Wie lange darf ich dich denn noch behalten?" „Ich brauche das Zimmer ab dem Ersten."
Der zweite Satz war falsch, das sah sie ein, er lud ein statt zu fragen. Der dritte war eine Lüge und hätte funktioniert. Sie kam damit bis an die oberste Stufe, und unten im Flur roch es nach Kaffee, und auf dem Tisch lag die Zeitung, aufgeschlagen auf der Seite, die sie liest. Bis sie saß, hatte der Satz seine Endung verloren. Sie sagte: „Guten Morgen." Er sagte: „Es ist kälter geworden, ich habe die Heizung im Bad aufgedreht."
Die Tasche stand die ganze Zeit halb gepackt neben dem Bett. Er packte sie nicht aus. Nichts an seinem Aufenthalt sah nach Bleiben aus, und das war das Zuverlässigste daran. Aus Nächten wurden Wochen. Das Brot wurde eine Einrichtung, samstags zwei Sorten. Die Nachbarin grüßte ihn zuerst. Im Bad stand ein zweiter Becher, den sie selbst dorthin gestellt hatte, weil der Rasierpinsel sonst auf der Ablage lag und Wasser zog.
Sie war einmal über ein Wochenende weg, und als sie zurückkam, waren die Pflanzen gegossen, das Treppenhaus gefegt und vor der Wohnungstür lag eine neue Fußmatte, deren Farbe zu den Fliesen passte. Sie stellte die Tasche ab und dachte, ohne es zu Ende zu denken, dass sie sich in der eigenen Wohnung ein wenig benimmt. Sie sang nicht mehr im Bad. Sie aß nicht mehr im Stehen vor dem Kühlschrank. Beides hatte ihr nichts bedeutet, und beides fehlte ihr, und beides ließ sich schwer zur Sprache bringen, weil er nichts getan hatte, außer da zu sein und angenehm.
Beim Frühstück sagte er einmal, ohne aufzublicken: „Ich bin dir doch nicht im Weg." Es war kein Fragesatz. Sie sagte „Überhaupt nicht", schneller, als sie es sich vorgenommen hatte, und hörte selbst, wie schnell es war. Dazwischen lag eine halbe Sekunde, in der der Ernstfall möglich gewesen wäre, in der Größe eines Frühstückstischs.
Am Nachmittag ging sie zum Schlüsseldienst. Der Mann fragte, ob einer oder zwei, und sie sagte zwei, wegen des Ersatzes. Sie hängte den einen an das Brett neben ihren, wo Platz war, seit sie das Kellerschloss hatte auswechseln lassen. Abends sagte sie nichts. Am nächsten Morgen fasste sie beim Zähneputzen den Beschluss, es heute zu sagen.
Schlüsselbrett: 4 Haken · belegt 3 · Ersatz in der Dose