Leise gesagt wird jeder Satz wahr. Das ist keine Beobachtung über Menschen, sondern über Lautstärke: Wer flüstert, behauptet nicht, er teilt mit. Und wer etwas mitgeteilt bekommt, prüft es nicht, sondern gibt es weiter, weil Prüfen unhöflich wirkt, wenn jemand extra näher gekommen ist.
Der Inhalt ist dabei die unwichtigste Zutat. Man kann in dieser Tonlage den Wetterbericht sagen, und der Zuhörer wird nicken, als habe er es geahnt. Notwendig sind nur drei Dinge: Nähe, ein halber Blick zur Tür und ein Nebensatz, der offen bleibt.
Sie soll ja gesagt haben, dass — er hat ja gesagt, sie hätte — es heißt, da wäre etwas mit — na, Sie wissen schon.
Sie steht auch nicht auf.
Weitergeben ist außerdem sehr angenehm, weil man dabei nichts vertritt. Eine geflüsterte Meinung ist eine Meinung ohne Absender; sie kostet keinen Mut und lässt sich am nächsten Tag bestreiten. So bleibt ein Mensch unverändert und gilt trotzdem als informiert. Bemerkbar macht sich das höchstens auf der Haut, die schneller reagiert als das Urteil und nicht so tut, als hätte sie nichts gehört.
Manchmal fällt einer aus der Reihe und sagt dasselbe in normaler Lautstärke. Dann wird es unangenehm, dann wird es laut, und alle stellen fest, dass sie eigentlich nie etwas behauptet hatten. Wer das nicht aushält, geht dahin, wo es ohnehin gedämpft ist: eine Etage tiefer, wo jedes Geräusch von den Wänden geschluckt wird und niemand nachfragt.