Der eigentliche Streit findet Jahre nach dem Streit statt. Ort: Bad, Autobahn, Küche um halb zwölf. Anwesend: Sie. Die Gegenseite wird von Ihnen mitgespielt, allerdings deutlich schlechter, als sie damals war.
In dieser Aufführung fällt Ihnen endlich der Satz ein, der alles beendet hätte. Er ist ausgezeichnet. Er ist kurz, er ist ruhig, er trifft genau die Stelle. Er kommt vier Jahre zu spät, was ihn nicht schwächer macht, sondern unwiderlegbar: Der andere kann nicht mehr antworten, weil er nicht da ist und vermutlich längst etwas anderes im Kopf hat.
Du hast das immer so gemacht.
Ich habe das nie so gemacht.
(vier Jahre)
Doch. Und zwar genau am —
…
Es ist die sicherste Form der Auseinandersetzung, die es gibt. Wer allein streitet, gewinnt jedes Mal, behält jede Position und muss keine einzige revidieren. Der Geist ist wirklich erfinderisch, wenn es darum geht, so zu bleiben, wie er ist: Er baut sich sogar einen Widersacher, der verliert.
Auffällig ist nur, wie oft dieselbe Szene läuft. Man würde erwarten, dass ein gewonnener Streit erledigt ist. Er ist aber nie erledigt, weil er nie stattgefunden hat; er ist eine Probe für eine Aufführung, deren Termin schon vorbei ist.
Irgendwann hört das auf, und zwar nicht durch Einsicht, sondern durch Erschöpfung. Was dann kommt, ist nicht Frieden. Es ist die deutlichere Variante desselben Satzes.