Zum Text

Das Raster

„face"

Eine Kugel aus feinen Rasterpunkten vor einem Verlauf von Gelbgrün oben zu tiefem Blau unten; auf der Kugel liegen grüne, blaugraue und violette Flächen mit ausgefransten Rändern, die Punktreihen bilden ein sichtbares Gitter.
face

Der Andruck kommt um kurz vor eins aus der Maschine, noch feucht: eine Kugel, sechzig Prozent des Bogens, Punktraster, vier Farben. Unten läuft der Grund in ein tiefes Blau aus, oben in ein Gelbgrün, und auf der Kugel liegen die Landmassen in Grün und Violett, mit Rändern, die nicht scharf sind, sondern in Punkte zerfallen, weil das Raster grob gewählt wurde.

Er zieht den Bogen ab, hängt ihn an die Klemmleiste und geht rückwärts, wie man das macht, um das Moiré zu suchen. Bei anderthalb Metern flimmert nichts. Bei zwei Metern flimmert auch nichts, das Raster ist sauber.

Bei zwei Meter vierzig schließen sich die Punkte, und die Kugel hat ein Gesicht. Zwei dunkle Flecken oben, ungleich groß, der linke etwas höher. Darunter, quer, ein violetter Zug, der an einer Seite abknickt. Kein Mund, den jemand gezeichnet hätte, sondern einer, der entsteht, weil drei Farben an derselben Stelle übereinanderliegen.

Er holt den Kollegen von der Schneidemaschine. Der Kollege stellt sich daneben, sieht eine Kugel, sagt, das Blau unten sei zu voll, und geht wieder. Er hatte recht mit dem Blau.

Auf dem Hallenboden klebt seither ein Stück Kreppband, zehn Zentimeter, mit Bleistift beschriftet: 2,40. Er stellt sich beim Prüfen darauf, was niemandem auffällt, weil es aussieht wie eine Markierung für die Palette.

In der Nacht darauf wird das Blau zurückgenommen, fünf Prozent, und die Platte neu belichtet. Er hat vom Ausschießen bis zum ersten Bogen nicht an das Blau gedacht, sondern an das Auge, das links oben sitzt und das mit dem Blau nichts zu tun hat und trotzdem daran hängt. Der neue Bogen kommt, er stellt sich auf das Kreppband, und da ist nichts. Nur eine Kugel.

Er geht weiter zurück, Schritt für Schritt, bis zur dritten Fuge. Zwei Meter fünfundfünfzig. Da sind sie wieder, beide Flecken, der Zug darunter, ganz ruhig.

Er zieht das Kreppband ab, klebt es fünfzehn Zentimeter weiter hinten neu auf, schreibt 2,55 darüber und stellt sich darauf. Draußen fängt einer an, auf dem Hof einen einzigen Ton zu blasen, und hört nicht wieder auf.

Raster 48er · vier Farben · Prüfabstand 2,55 m · Bogen 3