Hooka
„manmithooka“
Kohle eins
Die Pfeife hat er von einem Kollegen, der weggezogen ist und sie nicht mitnehmen wollte, weil in der neuen Wohnung kein Balkon ist. Sie steht jetzt hier, vierter Stock, Sonntagabend, zwischen der Brüstung und einem Plastikstuhl. Wasser zwei Finger über das Steigrohr, sonst blubbert es nicht, sondern gurgelt. Tabak locker in den Tonkopf, Alufolie darüber, mit einer Stricknadel gelocht, Ring außen, dann innen.
Die ersten zehn Züge schmecken nach Apfel. Das ist der Teil, den man in Aussicht stellt, wenn man jemanden einlädt. Es lädt aber niemand jemanden ein, es ist Sonntag, und der Stuhl daneben hat seit dem Sommer eine Ablage aus zwei Zeitungen und einer Schere darauf, die wegzuräumen wäre, bevor sich jemand hinsetzen könnte.
Kohle zwei
Danach schmeckt es nach nichts mehr, und er sieht in den Glasbauch. Da drin passiert das Einzige, was hier wirklich passiert: Der Rauch tritt unter Wasser aus und rollt sich auf, in Fächern, und jeder Fächer zerlegt sich in kleinere Fächer, die genauso aussehen wie der große. Von gegenüber fällt das Rosa einer Leuchtschrift in das Glas, von hinten das Blau des Schirms, den er hat laufen lassen.
Er hat einmal versucht, einen einzelnen Faden bis zum Ende zu verfolgen. Es gibt kein Ende. Es gibt nur eine Stelle, an der das Auge aufgibt und der Faden weiter kleiner wird, ohne dabei etwas anderes zu werden. Man kann darüber ruhig eine Stunde verbringen. Er hat die Stunde.
Kohle drei
Achtzehn Minuten hält eine Kohle, bei Wind zwölf. Dann Zange, drehen, Asche am Rand abklopfen, anpusten, bis der Rand orange steht, Folie nachstechen, weil sie durchhängt, Wasser nachkippen, weil es warm geworden ist. Das ist die eigentliche Beschäftigung. Sie ist gut eingerichtet: Die Zange hat ihren Platz auf der Brüstung, die Folie liegt in Streifen vorgeschnitten bereit, und die Kohlen kommen im Zehnerpack, damit man nicht wegen einer einzelnen losgehen muss. Der Rauch ist der Anlass, mehr nicht; er zieht über die Brüstung und irgendwohin.
Gegen zwei stellt er den Kopf ab. Der Himmel über dem Nachbarhaus ist noch schwarz, aber er weiß aus Erfahrung, wie lange es dauert, bis es hell wird, und er weiß, dass er das nicht abwarten will.
Ende · er hält die Zange ins Licht, dreht die Kohle einmal um und legt sie zurück