Insel
Neun Kilometer Küste · eine Quelle · kein Verkehr
Am ersten Abend suchte er die Stelle, von der aus ein Feuer am weitesten zu sehen ist. Er fand sie auf dem Kap im Nordwesten, trug Treibholz hinauf und schichtete es so, dass es beim ersten Streichholz brennen würde. Dann setzte er sich daneben und wartete auf ein Segel, weil er damit rechnete, dass er hier nicht bleiben würde.
In der zweiten Woche baute er einen Windschutz aus Palmwedeln, für die Zwischenzeit. In der dritten legte er ein Dach darüber, weil die Nächte nass waren, ebenfalls für die Zwischenzeit. Im zweiten Jahr bekam die Hütte einen zweiten Raum, weil der erste beim Kochen verrauchte. Er nannte sie weiterhin den Windschutz. Man muss die Dinge nicht umbenennen, nur weil sie größer werden.
Er fand heraus, dass die Möwen auf der Südseite brüten und dass man dort am schnellsten hinkommt, wenn man den Grat nimmt und nicht den Strand. Der Weg dauerte anfangs zwei Stunden. Nach ein paar Jahren dauerte er vierzig Minuten, weil er die schlechten Stellen ausgebessert und an drei Steilstücken Stufen in den Fels geschlagen hatte. Er hatte ein Fass für Regenwasser, einen ausgehöhlten Stein zum Mahlen, zwei Reusen, eine Leine zum Trocknen von Fisch und ein Brett mit Kerben, auf dem er irgendwann aufhörte zu zählen. Die erste Kerbe ist tiefer als alle anderen; sie heißt eins und hat nie aufgehört, so zu heißen. Das Brett blieb hängen. Er wischte es ab, wenn er die Hütte wischte.
Um das Holz auf dem Kap kümmerte er sich am gründlichsten. Zweimal im Jahr schichtete er es neu, unten die dicken Scheite, oben das Reisig, alles unter einer Lage aus Blättern, damit es trocken blieb. Nasses Holz zündet nicht, und wer eine Woche zu spät zündet, hätte es lassen können. Er brauchte für das Umschichten einen halben Tag. Er machte es besser als jede andere Arbeit auf der Insel.
Das Segel kam an einem klaren Vormittag. Er sah es vom Grat aus, ging nicht, sondern lief, und das Feuer brannte nach dem ersten Streichholz, wie vorgesehen. Das Schiff drehte bei. Ein Boot kam durch die Brandung, und ein Offizier mit einem nassen Hosenbein stand an seinem Strand und fragte, wie lange.
Er sagte, er brauche noch zwei Tage. Das Trockengestell müsse abgebaut werden, sonst reiße es der erste Sturm mit, und vor allem sei das Dach offen, er habe die Halme heute Morgen zum Nachbinden heruntergenommen. Wenn es so bleibe, sei die ganze Hütte hin. Der Offizier sah ihn an und sagte, sie könnten eine Stunde warten, dann liefe die Tide.
Er ging hinauf und band das Dach. Er machte es sorgfältig, weil ein halb gebundener Knoten überhaupt nichts hält. Zwischendurch hörte er das Horn, einmal, und später noch einmal. Er band den letzten Halm fest, stieg vom Dach, sah die Arbeit an und fand sie gut. Dann ging er zur Bucht hinunter. Sie war leer, das Wasser lag ruhig, und im Westen stand schon die Wand.
Der Regen kam am Abend. Das Dach hielt.
Oben auf dem Kap liegt neues Holz, unten die dicken Scheite, oben das Reisig, alles unter Blättern. Man kann sich danebensetzen und warten, bis wieder etwas vorbeikommt, oder ins Wasser gehen und sich tragen lassen, wohin die Strömung es für richtig hält.