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Karteikarte · Reißzwecke · drei Löcher

Nummer eins

„1"

Malerei, deren ganze Fläche aus dicht gekämmten Strichen besteht, die zu Wirbeln gedreht sind; darüber liegen rechteckige Farbfelder in Magenta, Gelb, Türkis und Blau, in der Mitte ein großes helles, fast weißes Rechteck, an den Rändern Grün, Rot und Schwarz.
„1"

Das Brett ist vierzig auf dreißig und liegt auf zwei Böcken im Flur, weil im Flur das Licht am gleichmäßigsten ist. Daneben stehen sieben Töpfe Farbe ohne Deckel und liegt ein Kamm, dem ein Zahn fehlt.

Er arbeitet in einer festen Reihenfolge. Zuerst klebt er mit Kreppband Rechtecke ab, immer andere, immer schief zur Kante. Dann trägt er die Farbe auf, dick, mit dem Spachtel, ohne zu mischen: Magenta neben Gelb, Grün neben Blau, das ist ihm gleich, es bleibt ohnehin nicht so. Wenn alles nass ist, nimmt er den Kamm und zieht ihn in Bögen durch die Farbe, vom Rand her, in Kreisen, bis das ganze Brett aus Wirbeln besteht und keine Fläche mehr eine Fläche ist. Zuletzt zieht er das Kreppband ab. Darunter liegt, was vom Tag davor übrig ist: ein magentafarbenes Rechteck, ein türkises, in der Mitte ein großes helles, das schon so oft stehen geblieben ist, dass niemand mehr weiß, welche Farbe darunter angefangen hat.

Dann steckt er eine Karteikarte mit einer Reißzwecke an den Rahmen. Auf der Karte steht eine Eins.

Am nächsten Morgen malt er darüber.

Die Karte bleibt. Sie ist an einer Ecke eingerissen und hat drei Löcher von drei Zwecken, aber es ist dieselbe Karte, und darauf steht dieselbe Eins. Er hat einmal erklärt, warum. Eine Zwei wäre eine Behauptung. Eine Zwei hieße, die Eins sei fertig, jemand könne hingehen, sie ansehen und sagen: das war sie also. Solange nur die Eins da ist, ist nichts entschieden.

Das Brett wiegt inzwischen so viel, dass er es zu zweit tragen müsste, und er trägt es nicht. An der unteren rechten Ecke ist die Farbe abgeplatzt, sauber, wie ein Bruch im Gestein, und man kann die Schichten zählen. Er zählt sie nicht. Er hat die Stelle mit einem Streifen Kreppband gesichert, damit sie nicht weiter aufreißt, und der Streifen ist längst selbst übermalt.

Durch alle Lagen läuft dieselbe Spur. Weil dem Kamm ein Zahn fehlt, bleibt in jedem Wirbel eine Rille breiter als die anderen. Wer das Brett irgendwann durchsägte, fände die breite Rille in jeder einzelnen Schicht wieder, von oben bis unten, ohne Ausnahme.

Abends wäscht er den Kamm unter dem Hahn aus, bis das Wasser klar läuft. Er legt ihn mit den Zinken nach oben auf das Fensterbrett, klebt die Rechtecke für morgen ab und macht das Licht im Flur aus.

Ende · „1"

Ein Stockwerk höher sitzt jemand nachts vor einem Bildschirm und zieht die Linien mit der Maus, was schneller geht und länger dauert. Und irgendwo liegt eine Karte, in die die Eins nicht geschrieben, sondern gestanzt ist.