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Sofort

Bitte nicht drängeln

Von allen Wörtern des Aufschubs ist dieses das lauteste, und Lautstärke ist bekanntlich das, was man nimmt, wenn man keine Geschwindigkeit hat. „Ich komme sofort" wird immer aus einem anderen Zimmer gerufen. Noch nie hat jemand „sofort" gesagt, während er bereits im Türrahmen stand.

Es ist ein Wort für die Zwischenzeit. Es beruhigt den, der wartet, und es beruhigt den, der ruft, und beide wissen, dass es eine Vereinbarung ist und keine Angabe. Vereinbarungen dieser Art halten Haushalte zusammen. Genaue Angaben zerstören sie.

Sofort ist gleich mit erhobener Stimme. Man merkt es daran, dass es danach genauso lange dauert wie bei der ruhigen Variante.

Der Körper weiß das übrigens genau. Wer „sofort" ruft, holt vorher Luft, und in diesem Moment, wenn der Brustkorb sich hebt und noch nichts passiert ist, findet die ganze Handlung bereits statt. Der Atem allein hat die Sache erledigt; alles Weitere wäre Wiederholung.

Radierung auf getöntem Papier: ein Mann mit wirrem Haar sitzt in einem hohen Sessel, den Mund weit aufgerissen, und hält mit beiden Händen ein Notenblatt auf einem Pult; am oberen und unteren Blattrand stehen handschriftliche Nummern, darunter der gedruckte Titel.
Er ruft es. Er sitzt dabei
Kolorierte Radierung mit gezeichnetem Rahmen: ein beleibter Mann mit weißer Haube stützt sich auf einen Tisch, auf dem nur ein leerer Teller, ein Messer und ein kleiner Leuchter stehen; rechts beugt sich ein hagerer Mann mit Zopfperücke zu ihm herüber, beide sehen einander an.
Der Teller ist längst da. Alles Übrige ist unterwegs

Beide Blätter sind vollkommen still, und man hört sie trotzdem. Das ist die ganze Leistung des Wortes: es macht Lärm, ohne dass etwas passiert.

Deshalb der Rat, den kein Ratgeber gibt: Rufen Sie ruhig weiter. Nur stehen Sie dabei einmal auf.

Wem das zu laut ist, der sagt dasselbe eine Nummer kleiner und nennt es demnächst. Das klingt nach Planung und ist doch nur „sofort" mit ausgeschaltetem Ton.