Zum Inhalt

Mitteilung an alle Beteiligten

Demnächst

Zur Lage

„Gleich" sagt man zu sich selbst. „Demnächst" sagt man zu anderen. Es ist die amtliche Form, die Variante mit Briefkopf. Wer demnächst sagt, hat keine Absicht mehr, sondern einen Vorgang, und Vorgänge werden nicht hinterfragt, sie werden bearbeitet.

Zur Begründung

Die Ausrede ist ein unterschätztes Handwerk. Eine gute Ausrede ist nicht die, die überzeugt, sondern die, die niemand nachprüfen möchte, weil das Nachprüfen peinlicher wäre als das Glauben. Sie muss ein wenig zu detailliert sein, aber nicht zu viel. Sie darf keinen Schuldigen benennen, höchstens Umstände.

Am Ende steht immer derselbe Satz, und er ist deshalb so gut, weil er nichts behauptet: Ich melde mich, sobald ich mehr weiß. Es ist unmöglich, gegen diesen Satz zu argumentieren. Man kann ihn nur annehmen und zu Hause wütend werden.

Kolorierte Radierung: zwei Männer an einem Tisch, auf dem nur ein leerer Teller und ein Messer liegen; der eine stützt sich schwer auf, der andere kommt gebückt von rechts herbei. Unter dem Bild steht in Schreibschrift „Waiting for Dinner“.
Anlage 1 Der Teller ist bereits da. Das ist der entscheidende Zug: man hat etwas hingestellt, das nach Fortschritt aussieht, und die Sache selbst bleibt in der Küche.

Zur Zustellung

Gesagt wird das alles nicht in Ruhe, sondern über eine Lautsprecheranlage, wie in einer Bahnhofshalle, in der niemand zuständig ist und trotzdem jemand spricht. Was dabei entsteht, kennen Sie: die Wartezeit, die keiner zu verantworten hat und in der alle gemeinsam auf die Anzeigetafel starren.

Aber ehrlich gesagt: die Halle ist warm, es riecht nach Brezeln, und solange die Ansage läuft, muss niemand fahren. Es gibt Menschen, die genau deshalb nie ankommen wollen, sondern nur das Kribbeln kurz vor der Abfahrt suchen.

Rötelzeichnung eines Theaterinnenraums: fünf Ränge voller winziger Figuren umlaufen einen leeren, weiß gelassenen Bühnenausschnitt hinter einem Vorhangbogen mit Kronleuchter.
Anlage 2 Fünf Ränge, jeder Platz besetzt, die Bühne unbespielt. Niemand geht. Solange nichts anfängt, kann auch nichts schlechter sein als erwartet.