Unendlich
Unendlich ist keine Zahl. Es ist die Auskunft, dass gerade niemand zuständig ist. In jeder Rechnung, in der es auftaucht, hat man eine Frage gestellt, die zu keiner Antwort führt, und dann einen Namen für die Richtung erfunden, in die die Antwort davonläuft.
Der Buchhalter kennt das. Es gibt Konten, die sich nicht abschließen lassen, weil jeden Tag eine Zeile dazukommt, die genauso aussieht wie die vorherige. Er wechselt das Blatt, er wechselt es wieder, und irgendwann ist das Blattwechseln die eigentliche Tätigkeit geworden.
Ein Konto, das nie abgeschlossen wird, kann auch nie überzogen sein.
Das ist der ganze Trick, und er wird von Menschen mit großer Ausdauer angewandt. Solange etwas gleich beginnt, hat es noch nicht begonnen und ist daher auch noch nicht gescheitert. Unendlichkeit ist der bequemste Ort, an dem man ein Vorhaben unterbringen kann, weil dort keine Miete anfällt.
Das Verfahren hat einen Namen, den alle kennen und niemand gern verwendet: warten. Es sieht von außen aus wie Geduld und von innen wie eine sehr lange Zeile, die sich wiederholt.
Merkwürdig ist nur, dass das Unendliche und das Nichts sich in der Buchführung nicht unterscheiden lassen. Beide Konten weisen dieselbe Bewegung aus. Wer lange genug überträgt, landet in derselben Spalte wie der, der nie etwas eingezahlt hat, nur mit erheblich mehr Papier.