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05:58

WeckerRadiowecker, schwarz · Taste oben, 40 Millimeter

Eine Tischuhr aus poliertem Mahagoni: ein achteckiger Sockel auf vier goldenen Kugelfüßen, darüber ein sich nach oben verjüngender runder Schaft, obenauf ein weißes Zifferblatt mit römischen Ziffern unter einer Glasglocke; an der Vorderseite des Sockels ein vergoldeter Blattkranz.
Vorgänger. Kein Betäubungsknopf, deshalb ohne Nachfolge.

05:58

Der rechte Arm fährt unter der Decke hervor, im Ellbogen offen, die Hand flach, und der Daumenballen trifft die Taste, ohne dass der Kopf sich hebt. Der Arm ist zurück, bevor die Luft die Stelle gefunden hat, an der er lag. Das dauert anderthalb Sekunden. Er hat es nie geübt und kann es trotzdem besser als das meiste, was er tagsüber tut.

+ 9

Neun Minuten, und er schläft in keiner davon. Er rechnet. Der Zug fährt um 07:12. Zum Bahnhof neun Minuten, sieben, wenn die Ampel an der Kreuzung mitspielt. Duschen sechs, vier ohne Haarewaschen. Das Hemd muss nicht gebügelt werden, wenn es flach gelegen hat, und es hat flach gelegen, das weiß er, er hat es hingelegt. Frühstück ist eine Position, die gestrichen werden kann; sie kostet nichts außer Laune bis halb elf. Er rechnet rückwärts, mehrmals, mit wechselnden Annahmen, und das Ergebnis ist jedes Mal 06:34.

+ 18

Das erste Klingeln ist frei. Das zweite ist Verwaltung. Beim dritten braucht er einen Grund, und er hat immer einen: die Heizung springt erst um sechs an, es ist dunkel, im Bad ist es kalt, und es ist ohnehin unvernünftig, in der kalten Wohnung nass zu sein. Er sagt sich dann das Wort, das dafür vorgesehen ist: gleich. In dieser einen Sache belügt er sich nie. Er weiß jederzeit, wie spät es ist, auf zwei Minuten genau, im Dunkeln, mit geschlossenen Augen, ohne hinzusehen. Das ist die eigentliche Leistung.

Bronzefigur eines schlafenden Kindes mit Flügeln, ausgestreckt auf einem hellen Steinblock liegend, den Kopf auf den angewinkelten Arm gelegt, ein Bein hängt über die Kante; die Oberfläche ist grün angelaufen.
Die Haltung, die er sucht. Sie war beim Einschlafen noch da.
Buchseite mit Goldgrund und gemalter Rahmenleiste: ein junger Mann in orangefarbenem Gewand und weißem Turban sitzt zusammengesunken unter einer Weide und schläft, den Kopf auf den Arm gestützt; vor ihm steht eine weiße Flasche, ringsum Steine und kleine Blüten, der breite Rand des Blattes ist mit silbrigen Ranken und Gräsern verziert.
Wer im Sitzen einschläft, hat die Rechnung nicht aufgestellt.

+ 27

Er hat das Gerät einmal auf die Kommode gestellt, quer durchs Zimmer, damit er aufstehen muss. Es funktionierte acht Tage. Am neunten hatte er den Weg so weit optimiert, dass er ihn im Dunkeln in vier Schritten ging, drückte und zurück unter die Decke kam, bevor sie ausgekühlt war; der Verlust lag bei knapp vierzig Sekunden Wärme und war zu verkraften. Am zehnten Tag stand der Wecker wieder neben dem Bett, weil das Aufstellen auf der Kommode nun nachweislich nichts brachte.

Aus der Wohnung darunter drückt ein Bass durch den Boden, vier Schläge, Pause, vier Schläge. Er stört nicht; er liegt tief genug, um zum Zimmer zu gehören. Es gibt eine Karte des Bettes, und er kennt sie. Unter dem linken Schulterblatt ist es am wärmsten, dort darf nichts hin. Der rechte Fuß liegt außerhalb der Decke, sonst wird es zu viel. Die Kunst besteht darin, sich zu bewegen, ohne die gute Stelle zu verlieren; jedes Umdrehen kostet eine Schicht warmer Luft, zweimal umdrehen, und das Bett ist ein anderes Bett. Deshalb liegt er still und bewegt nur die Zahlen.

06:34

Um 06:34 steht er auf. Er schlägt im Vorbeigehen vorn auf das Gerät, das beendet die Reihe, und dann steht er am Waschbecken und der Tag findet statt. Niemand sieht das. Es gibt dafür keinen Beruf und keine Urkunde, und niemand fragt am Schreibtisch, wie er es geschafft hat, den Zug wieder zu bekommen.

Am freien Morgen stellt er nichts. Er wacht um 05:57 auf und liegt im Dunkeln, und es ist nichts zu berechnen: kein Zug, kein Hemd, keine Ampel. Er berechnet es trotzdem. Er zieht Duschzeiten ab, die er nicht braucht, streicht ein Frühstück, das er später essen wird, und kommt auf 06:34. Um 06:34 steht er auf. In der Küche ist es dunkel und die Heizung noch kalt.

Am Morgen darauf legt er die Hand schon vorher auf die Taste und wartet, dass es anfängt.

Klingelfolge 05:58 · 06:07 · 06:16 · 06:25 · Aufstehen 06:34 · Abweichung: keine