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Messreihe · Einheit min Sollwert 60,000 s

Minute60 s

Eine Minute hat sechzig Sekunden. Das ist die einzige Aussage über die Minute, die ausnahmslos zutrifft, und zugleich die einzige, die noch nie jemanden interessiert hat.

Denn gemessen wird sie an einem Gerät, und erlebt wird sie an einem Menschen. Die beiden Werte stehen unten nebeneinander. Sie stammen von derselben Minute.

Sechzig Sekunden, je nach Umstand
Umstandgemessenempfunden
Auf dem Stuhl beim Zahn1:004:20
Freizeichen, viertes Läuten1:002:55
Der letzte Absatz vor dem Schluss1:000:11
Nach dem Entschluss, gleich anzufangen1:000:00
Aufgeklappte Taschenuhr: im Innendeckel ein gemalter Reiter auf einem sich aufbäumenden Pferd, daneben das Zifferblatt mit römischen Ziffern und einer gemalten Landschaft in der Mitte, das Gehäuse hellblau emailliert mit Goldrand.
Gerät AZeigt die Minute an und malt daneben ein Bild, damit man während des Ablesens etwas zu tun hat.
Silberne, achteckige Taschensonnenuhr: eingravierte Stundenlinien mit römischen Ziffern auf mehreren Skalen, in der Mitte ein eingelassener Kompass, davor ein aufgestellter Schattenzeiger.
Gerät BArbeitet nur bei Sonne, dafür ohne Feder. Fällt aus, wenn es dunkel wird, und schweigt dann ehrlich.

Beide Geräte wurden mit größerer Sorgfalt gebaut, als die abgelesene Zahl je verdient hat. Das ist kein Vorwurf. Man muss irgendwo anfangen, und ein Gehäuse lässt sich fertigstellen.

Die letzte Zeile ist kein Messfehler. Die Minute nach einem Entschluss wird nicht empfunden, weil in ihr nichts geschieht, woran sie sich bemerkbar machen könnte.

Wer daraus schließt, die Messung sei falsch, hat das Gerät missverstanden. Es misst korrekt und irrelevant, wie fast alle guten Geräte. Wer es genauer will, bekommt es ungefähr. Wer es ehrlicher will, fragt nicht nach der Minute, sondern nach dem Punkt, an dem sie gerade vergeht; der heißt jetzt und ist mit keinem Gerät zu erreichen.