Sechzig Pfähle · vier Reihen Draht · eine Zange
Zaun
Gebaut hat er ihn in einem Sommer, in dem viel zu tun war und wenig zu bedenken. Sechzig Pfähle, angespitzt, die Enden in Teer getaucht, alle drei Schritte einer. Dazwischen vier Reihen Draht, unten eng, oben weit, weil das, was draußen bleiben sollte, niedrig war und nicht springen konnte. Damals hätte er es benennen können. Er hätte es auf einen Zettel geschrieben und den Zettel in die Blechdose zu den Krampen gelegt. Die Dose steht noch dort. In ihr liegen Krampen.
Im vierten Jahr verlegte sich der Bach. Ein Bach verlegt sich langsam, aber er verlegt sich, und dann standen zwölf Pfähle im Wasser und faulten von unten nach. Er zog die Linie um die neue Schleife herum, weil man Pfähle nicht ins Wasser stellt. Das war keine Entscheidung, das war eine Reparatur.
Im siebten Jahr fiel die Esche quer über den Draht. Sie zu zersägen hätte eine Woche gekostet, die er nicht hatte; er führte den Zaun in einem Bogen um die Krone herum und nahm sich vor, das später zu bereinigen. Die Esche ist inzwischen weich und niedrig. Der Bogen ist geblieben, denn dort stehen die jüngsten Pfähle und sind die besten.
Im elften Jahr setzte er ein Tor, weil er zum Brunnen musste. Der Brunnen versandete zwei Jahre darauf. Das Tor ist geblieben, es ist ein gutes Tor, es schließt.
Einmal stand ein Mann von der Gemeinde an der Straße und fragte, ob das Grundstück hier anfange oder hier aufhöre. Er sagte: hier. Der Mann schrieb etwas auf und ging.
Auffallen musste es ihm irgendwann. Morgens, auf dem Weg zur Straße, stieg er über den Draht — früher einmal, dann zweimal. Neulich zählte er fünf. Er war denselben Weg gegangen wie immer.
Wer viermal über einen Zaun steigt, ist, wo er angefangen hat. Wer fünfmal steigt, ist woanders. Er hat es abends am Küchentisch aufgezeichnet, mit dem Bleistift auf der Rückseite einer Rechnung: den Bach, den Bogen um die Esche, das Tor, die Ausbesserung am Hang, wo er die Linie ein Stück nach oben genommen hatte, um trockenen Boden zu haben. Die Linie kreuzt sich zweimal selbst. Eine Linie, die sich kreuzt, hat kein Innen. Sie hat Kammern, und in welcher man steht, hängt davon ab, wie man hereingekommen ist. Er hat die Rechnung nicht weggeworfen. Sie liegt unter der Blechdose.
Der Zaun ist längst weniger ein Bauwerk als eine Haut: er wächst dort, wo er verletzt worden ist, und wird genau dort am dicksten. Und was draußen bleiben sollte, ist nie gekommen. Das ist der einzige Punkt, in dem er sich sicher ist, und er weiß, dass daraus nichts folgt: entweder hält der Zaun, oder es gab nie einen Gegner.
An einem Abend im Oktober, als das Licht über dem Hang schon blau lag und es gerade noch hell genug war, stand er mit der Zange am Hang und begriff für einen Moment, dass die Sache zu klären wäre. Er müsste nur einmal die ganze Linie ablaufen, mit einem Stock, und an jeder Kreuzung einen Span in den Boden stecken. Zwei Stunden, höchstens. Er hatte den Stock schon in der Hand.
Dann sah er, dass an der Ecke beim Holunder eine Krampe gesprungen war und der oberste Draht durchhing. Ein durchhängender Draht zieht die nächste Krampe nach und die übernächste dazu. Er ging zur Scheune, holte die Rolle — es ist immer eine halbe Rolle übrig, das hat System — und arbeitete, bis es dunkel war. Der Draht sitzt jetzt.
Danach ging er zum Haus. Er stieg über den Zaun.
eine ausgebesserte stelle, stand oktober