Abstieg
Zeitbedarf: die Hälfte. Aufmerksamkeit: das Doppelte.
Es gibt Kurse für den Aufstieg, Ratgeber, Trainingspläne, ganze Berufsstände. Für den Weg zurück gibt es einen Satz, und der lautet, dass man ihn ja nicht mehr üben muss, weil es bergab geht. Das ist die einzige Stelle, an der sich die Bergsteiger und die Übrigen vollkommen einig sind, und beide irren sich an derselben Stelle.
Bergab arbeitet die Schwerkraft nicht für Sie, sondern gegen Ihre Bremsen. Sie halten sich die ganze Zeit zurück. Das ist anstrengender als Steigen, sieht aber nach nichts aus, und deshalb wird es niemand würdigen.
Das meiste, was schiefgeht, geht auf dem Rückweg schief, wenn schon alles erreicht ist und man deshalb aufgehört hat, hinzusehen.
Hinzu kommt die Verwechslung, an der die Sprache schuld ist. Absteigen und Aufgeben sind zwei verschiedene Vorgänge, aber sie tragen dieselbe Körperhaltung, und von unten betrachtet sieht man nur die Haltung.
Wer klug ist, hängt sich an ein Seil und an einen Menschen, der oben bleibt, solange man selbst nach unten geht. Wer nicht klug ist, macht es allein und nennt das später eine Dauer, über die er ungern spricht.
Der Berg ist erst vorbei, wenn Sie unten sind. Vorher ist er nur still.