Aufgeben
Ausführungsdauer: eine Sekunde · Übungsbedarf: keiner
Man legt den König um. Das ist alles. Es gibt keine Bewegung im ganzen Spiel, die so wenig Kraft kostet und so viel bedeutet, und es gibt keine zweite, die sicher gelingt.
Deshalb wird sie auch nie geübt und trotzdem von allen beherrscht. Der Geist ist erfinderisch, wenn es darum geht, so zu bleiben, wie man ist; und die eleganteste seiner Erfindungen ist die Niederlage, die man selbst wählt, weil sie sich anfühlt wie eine Entscheidung.
Sie hat sogar eine Form. Man legt die Figur nicht hin, man senkt sie. Man sagt nichts Bitteres. Man räumt das Brett zügig ab und wirkt dabei erleichtert. Wer das beherrscht, wird für souverän gehalten und muss nie wieder etwas riskieren. Das ist die Kunst daran.
Danach geht man auf ein flaches Stück, wo nichts mehr ansteigt und deshalb auch nichts mehr abbrechen kann. Dort lässt es sich hervorragend sitzen. Viele bleiben.
Es bleiben zwei Wege offen. Der eine führt zurück in den warmen Teil, wo der Sturm hinter einer Scheibe stattfindet. Der andere führt zum anderen Ausgang der Partie, den man sich in aller Regel unangenehmer vorstellt als das Verlieren, und zwar zu Recht.
Aufgegeben in beiderseitigem Einvernehmen