Körper
Sie haben ihn mitgebracht. Gefragt wurden Sie nicht, aber er ist bis hierher mitgekommen, hat die Tür aufgedrückt, sich hingesetzt und wartet nun darauf, dass Sie fertig lesen. Er hat keine Meinung zum Text. Er hat eine Meinung zum Stuhl.
Der Körper diskutiert nicht. Das ist sein ganzer Vorteil. Er bringt keine Gegenthese vor, er zieht sich nicht auf eine Position zurück, er wird lediglich langsamer. Wer mit ihm streiten will, muss drei Wochen warten; dann kommt die Antwort, in Form von Rückenschmerzen, ohne Quellenangabe und ohne Möglichkeit zur Erwiderung.
Er unterhält zwei Meldestellen, die beide behaupten, unabhängig zu arbeiten. Die eine ist das Auge, das jeden Morgen die Wirklichkeit prüft und dabei bemerkenswert oft bestätigt findet, was es ohnehin erwartet hatte. Die andere ist die Hand, die Entscheidungen bereits ausgeführt hat, während oben noch beraten wird.
Man hält das für Verrat. Es ist eher Arbeitsteilung. Sie kümmern sich um die Absichten, er kümmert sich um die Tatsachen, und weil die Tatsachen eher fertig sind, sieht es so aus, als hätten Sie zugestimmt.
Vermutlich ist er der ehrlichere Teil der Anordnung. Er behauptet nie, er würde sich ändern. Sein Schweigen ist kein Trotz, sondern schlicht das Fehlen eines Gremiums.
Zwei Instanzen, ein Beschluss, kein Protokoll. Beschwerden nimmt der Körper entgegen und legt sie ab.