Nie
Endstelle des Verschiebens
Es gibt einen Moment, den fast niemand beschreibt, weil er in keiner Erzählung gut aussieht: den Moment, in dem man einen Termin absagt, und zwar endgültig. Nicht verschiebt. Absagt. Und dann setzt man sich hin und stellt fest, dass man seit Wochen nicht so gut gelaunt war.
Die Erleichterung ist echt, sie ist sofort da, und sie ist unanständig groß.
Das ist der Skandal an dieser Sache. Alle anderen Wörter im Umlauf — gleich, bald, demnächst — versprechen etwas und halten es nicht. Nie verspricht nichts und hält es zuverlässig. Es ist das einzige ehrliche Wort der ganzen Familie, und deshalb wird es behandelt wie ein Verwandter, den man nicht einlädt.
Rechnung
Vierzehn Verschiebungen, je ein schlechtes Gewissen.
Eine Absage, einmalig, unangenehm, danach nichts mehr.
Es ist billiger. Das ist alles, was dazu zu sagen ist.
Was danach kommt, ist ungewohnt still. Kein Vorhaben mehr, das im Nebenraum wartet, keine Stimme, die nachfragt. Diese Stille ist der eigentliche Gewinn, und sie ist bei den meisten Menschen so ungewohnt, dass sie sicherheitshalber schnell etwas Neues planen.
Womit sie wieder ganz am Anfang stehen, bei der Sache, die ohne Zeitangabe stattfinden wird, und der Kreis ist geschlossen, ordentlich, betoniert. Wer ihn verlassen will, muss die Tür nehmen, die niemand geplant hat und an einem Ort herauskommen, den er sich nicht ausgesucht hat.