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Nie

Endstelle des Verschiebens

Es gibt einen Moment, den fast niemand beschreibt, weil er in keiner Erzählung gut aussieht: den Moment, in dem man einen Termin absagt, und zwar endgültig. Nicht verschiebt. Absagt. Und dann setzt man sich hin und stellt fest, dass man seit Wochen nicht so gut gelaunt war.

Die Erleichterung ist echt, sie ist sofort da, und sie ist unanständig groß.

Rötelzeichnung eines Theaterinneren: fünf übereinanderliegende Ränge voller winziger Zuschauer umschließen ein besetztes Parkett; zwischen den geraffen Vorhängen bleibt die Bühne eine leere weiße Fläche.
Jeder Platz vergeben, jeder Rang voll, die Bühne unbespielt. Der Abend ist ein voller Erfolg, solange niemand nach vorn sieht.

Das ist der Skandal an dieser Sache. Alle anderen Wörter im Umlauf — gleich, bald, demnächst — versprechen etwas und halten es nicht. Nie verspricht nichts und hält es zuverlässig. Es ist das einzige ehrliche Wort der ganzen Familie, und deshalb wird es behandelt wie ein Verwandter, den man nicht einlädt.

Rechnung

Vierzehn Verschiebungen, je ein schlechtes Gewissen.

Eine Absage, einmalig, unangenehm, danach nichts mehr.

Es ist billiger. Das ist alles, was dazu zu sagen ist.

Kohlezeichnung: eine dichte Menge in weiten Röcken und Zylinderhüten drängt zwischen Säulen hinaus, mehrere Gestalten sind vorgebeugt; auf dem Boden liegen abgelegte Kleidungsstücke, in der Mitte steht ein Mann aufrecht still.
Das Hinausgehen dauert kürzer als das Hineingehen und wird trotzdem nie geübt. Der Mann in der Mitte steht noch. Er hat den Mantel wiedergefunden und keinen Grund mehr, ihn anzuziehen.

Was danach kommt, ist ungewohnt still. Kein Vorhaben mehr, das im Nebenraum wartet, keine Stimme, die nachfragt. Diese Stille ist der eigentliche Gewinn, und sie ist bei den meisten Menschen so ungewohnt, dass sie sicherheitshalber schnell etwas Neues planen.

Womit sie wieder ganz am Anfang stehen, bei der Sache, die ohne Zeitangabe stattfinden wird, und der Kreis ist geschlossen, ordentlich, betoniert. Wer ihn verlassen will, muss die Tür nehmen, die niemand geplant hat und an einem Ort herauskommen, den er sich nicht ausgesucht hat.