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Teilung

Vorgang 2 von 2 · Strich zuerst, Zahlen danach

Teilen fängt nie mit dem Rechnen an, sondern mit einer Linie. Jemand zieht sie, und erst danach wird gezählt, was auf welcher Seite liegt. Alle Streitigkeiten über gerechte Teilung sind in Wahrheit Streitigkeiten über den Verlauf dieser Linie, und darüber wird nie verhandelt, weil sie schon da ist, bevor jemand den Raum betritt.

Diesseits

Was hier liegt, gilt als selbstverständlich und wird deshalb nicht aufgeführt. Die Posten auf der eigenen Seite haben keine Beträge, sie haben Namen.

Wer diesseits steht, hält die Linie für eine Beschreibung.

Jenseits

Was dort liegt, wird gezählt, geschätzt und regelmäßig überprüft. Es bekommt Beträge, weil es sonst nicht zu kontrollieren wäre.

Wer jenseits steht, hält dieselbe Linie für eine Behauptung. Beide haben recht, was die Sache nicht besser macht.

Zwei Blätter, links und rechts derselben Naht. Sie halten nicht still: sobald man an ihnen vorbeigeht, laufen sie in verschiedene Richtungen. Das ist bei geteilten Dingen die Regel und nicht die Ausnahme.

Federzeichnung: eine sitzende Frau in langem Kleid befindet sich innerhalb eines auf dem Boden ausgelegten geflochtenen Seilrings, drei Männer stehen außerhalb und deuten mit den Händen; oben eine handschriftliche Strophe.
Diesseits Der Ring liegt lose auf dem Boden und besteht aus einem Seil. Wer darin sitzt, hält ihn für eine Beschreibung der Lage.
Aufgeklapptes Spielbrett von oben: ein Feld aus hellen und dunklen Quadraten, mittig eine durchgehende Fuge, ringsum Einlegearbeit mit Mäanderband und Zackenrahmen.
Jenseits Ein Brett, das sich in der Mitte zuklappen lässt. Die Fuge war vor allen Figuren da, und sie entscheidet, wer wem gegenübersteht.

Eine Wand ist eine Teilung, die beschlossen hat, dauerhaft zu sein. Sie hat den Vorzug, dass man sie sehen kann; die meisten Teilungen sind unsichtbar und funktionieren deswegen besser. Eine gute Trennung merkt man daran, dass niemand mehr über sie spricht.

Geteilt wird nicht das Ganze, geteilt wird die Aufmerksamkeit.

Und da Menschen ihre Aufmerksamkeit nicht halbieren können, ohne dass beide Hälften kleiner sind als vorher, endet fast jede Teilung im Streit — nicht über die Menge, sondern über die Reihenfolge, in der jemand hingesehen hat.

Es gibt eine Möglichkeit, das ganze Verfahren zu entschärfen, und sie besteht darin, auf die letzte Stelle zu verzichten. Wer sagt ungefähr die Hälfte, hat in aller Regel genauer gemessen als der, der auf das Komma besteht.